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Und die "Quintessence": Kultur macht Spaß
Von Barbara Jahn-Deterding
Emmerthal. „Auspacken, spielen“, dieses Prinzip gilt seit 1993 für die Musiker des Quintessence Saxophone Quintetts, und wie grandios es funktioniert, stellen die fünf Musiker in der ausverkauften Kleinen Kultur(n)halle unter Beweis. Und dies bereits vom ersten Ton an, denn auf ihrem Weg von der Garderobe, durch die Tischreihen bis zur Bühne, nehmen Uli Lettermann, Kai Niedermeier, Anatole Gomersall, Andreas Menzel und Sven Hoffmann die Zuhörer gleich mit. Selten beginnt ein Konzert, dazu noch mit klassischer Musik, gleich mit so viel Applaus. Wenn Uli Lettermann, im Ensemble zuständig für die Arrangements der Stücke, in seiner Moderation sagt, „das wird bestimmt kein besinnlicher weihnachtlicher Abend“, so ist der Auftakt mit der „Nussknacker Suite“ von Tschaikowsky und dem klassischen Weihnachtslied „Herbei, o ihr Gläubigen“ durchaus der Vorweihnachtszeit geschuldet. Bereits da ist der berühmte Funke übergesprungen, und eine Besucherin sagt zum Tischnachbarn: „So kennen wir Weihnachtslieder aber nicht.“ Und genau das macht die Einmaligkeit von Quintessence aus. In ihrer speziellen Bearbeitung und Fassung werden klassische Musikwerke mit neuem Leben erfüllt und zu außergewöhnlichen Hörerlebnissen. „Gute Solisten gibt es viele, dass sie gemeinsam so perfekt harmonieren, ist einfach grandios“, schwärmt Cord Fricke aus Welliehausen, der Quintessence schon zum wiederholten Male hört.
Die fünf Ausnahmesolisten gelten weltweit als eines der führenden Ensembles ihrer Art. Die Interpretation klassischer Großwerke, die geistreichen und witzigen Arrangements, machen ihre Klasse aus. Ihre Spielfreude wird für die Zuschauer nicht nur hörbar, sondern auch deutlich sichtbar. Wen wundert’s, dass die fünf Freunde, wenn man Uli Lettermann Glauben schenkt, selbst ihre Urlaube gemeinsam verbringen, demnächst ihren Auftritt beim World Saxophone Congress haben werden.
Als Uli Lettermann augenzwinkernd ankündigt: „Wenn Johann Sebastian Bach uns gekannt hätte, hätte er die Toccota, das Orgelstück schlechthin, gleich in der Zielfassung für fünf Saxophone geschrieben“, geht ein Raunen der Vorfreude durch das Publikum. Die Musiker werden dem mehr als gerecht und vermitteln „Gänsehautfeeling pur“, wie es Cord Fricke für alle begeisterten Konzertbesucher auf den Punkt bringt.
„Wir wollen keinen Spaß haben, dies ist ja schließlich Kultur“, hat Uli Lettermann zu Beginn des Abends gesagt. Wenn Kultur mit so viel musikalischem Anspruch und gekonnter Unterhaltung verbunden ist wie bei Quintessece, dann wünscht man sich viel mehr davon.
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Fast wie im Hamburger Star-Club
Emmerthal (ubo) „Die Besucher und die Band waren auf einer Welle, sagt Elke Barbier aus Grupenhagen nach dem Konzert. Auch Schlagzeuger Thorsten „Toto“ Rösner ist begeistert: „Der Spaß kam an auf der Bühne.“ Stilechtes 60er-Jahre-Ambiente mit Nierentisch, Cocktailsesseln, Tütenlampen und Strandliegen erwartete die rund 200 Besucher in der Kleinen Turnhalle in Emmerthal. Rollend, dröhnend, stampfend und handgemacht holten „The Four“ im Rahmen des Kulturprogramms mit Songs wie „I Want To Hold Your Hand“ und „Can’t Buy Me Love“ die Erinnerung an die Oberfläche. Bei Titeln wie „She’s A Woman“, „Sweets For My Sweets“, „Dandy“, „Keep On Running“, „Roll Over Beethoven“ und „Kansas City“ war die Tanzfläche während des vierstündigen Konzertes beständig gefüllt. „Es war ein Genuss“, meint Leadgitarrist Jürgen „Panne“ Pannicke, „und ein großartiges Publikum.“
„Wir spielen konsequent Songs verschiedener Bands aus den Jahren 1962 bis 1968 mit dem Originalequipment der Jahre im Stil des Star Club Hamburg,“ erzählt Gitarrist Horst-Dieter „Schmiddel“ Schmidt, der seit 1966 Musik macht. „Wir spielen den Live- Sound von der Bühne und nicht die gereinigten Studioaufnahmen,“ betont Jürgen Pannicke, ehemals als Ingenieur tätig.
„Da kommt richtig was rüber,“ kommentiert Renate Kinast, und ihr Mann Norbert meint: „Hier ist die Musik das Wichtigste und nicht die Technik, und die Songs haben einen hohen Wiedererkennungswert.“
Auch Elisabeth und Wolfgang Tönnigs waren begeistert: „Da werden die alten Erinnerungen wach,“ schwärmt Elisabeth Tönnigs lächelnd. Ihr Mann pflichtet bei: „Das ist die Live-Athmosphäre der 60er Jahre. Diese Musik hat uns geprägt.“
Ein Lob gab es auch für die Gemeinde Emmerthal, die ein solches Programm aufgestellt hat. Einen kleinen Kritikpunkt fand Anja Keucher. „Es ist schade, dass so wenig jüngere Leute hier sind.“
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Matthias Brodowy in Emmerthal
Von Ernst August Wolf
Emmerthal Comedy? Kabarett? Für Matthias Brodowy, Jahrgang 1972, eine typisch deutsche Kategorisierung. „Schublade auf, rein, und zu? Nee danke!“ Der vom „Prix Pantheon“ bis zur „Lüdenscheider Lüsterklemme“ vielfach preisgekrönte, studierte Historiker und katholische Theologe sieht sich stattdessen als „Vertreter für gehobenen Blödsinn“. In der Kantine des Emmerthaler Chemieunternehmens „Dr. Paul Lohmann“ präsentierte Brodowy auf Einladung von „Kultur in Emmerthal“ vor knapp 200 Gästen sein Programm „In Begleitung“. Musikalisch wurde Brodowy dabei am E-Bass begleitet vom künstlerischen Leiter des Kulturbüros Ostwestfalen-Lippe, Carsten Hormes, für hinreichend Rhythmus sorgte Heinz-Rudolf-Kunze-Percussionist Wolfgang Stute. Schon beim Einstiegssong „Ich möchte faul sein“, einer Hommage an den „blauen Montag“, war klar, dass die Chemie zwischen dem Turboplauderer im Nadelstreifen und rot-weißen Turnschuhen und dem Emmerthaler Publikum stimmte. Als „Kind der 70er Jahre“ sei er die letzte Generation, die noch den „Sendeschluss“ im Fernsehen erlebt, noch „analog Fußball gespielt“ und in der Schule „Blockflötenunterricht“ gehabt habe. Ob seine atemlos und mit gnadenloser Schlagfertigkeit heraus gewirbelten Verbalattacken zu Themen wie „Abwicklung der FDP“ („noch einmal griechisch Essen gehen und das war´s dann“) oder zur bundesdeutschen Kommerz-Dauerweihnacht, Brodowy erntete Lachsalve auf Lachsalve. Dem präzisen Beobachter gelangen wie in „König der Schnorrer“, einer ins Irrwitzige gesteigerten Vater-Sohn-Wursttheken-Geschichte, Satire-Häppchen der allerhöchsten Qualitätsstufe. Intelligenter Wortwitz („Kinderwurst? Alles, nur das nicht“) wird köstlich garniert mit deutscher Alltagsphilosophie: „Wenn man Dir gibt, nimm; wenn man Dir nimmt, schrei!“ Fast noch eindrucksvoller als mit seinen Verbalkanonaden aber ist Brodowy als Sänger und Klaviermusiker. Der erschafft wie in der verkehrten Welt in „Schönen Gruß vom Mann im Mond“ fantasievoll-melancholische, surreal anmutende Sentenzen („schwitzende Körper gehärtet in Riefenstahl“) und in „Weltuntergang“ beklemmende Bilder apokalyptischer Visionen um die Zahl „7“. Als Zugabe dann ein umjubeltes Opernkabinettstückchen aus „Mozarts verschollenem Don Sarotti“. Ein toller Abend, auch wenn am Ende die Frage, ob der Wort-, Tasten- und Gesangsmeister nun wirklich keine „fully-formed-fashion Unterhose“ trägt, offen blieb.
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Godewind bringt frische Brise nach Börry „De Sommer üss al hüüt“: 600 Besucher bei Open-Air-Premiere auf dem Museumsgelände
Von Frank Neitz
Börry. „Morgen ward dat Sommer.“ Knapp daneben, Godewind! Spätestens als die fünf Musiker aus dem flachen Land zwischen Nord- und Ostsee dieses Lied anspielen, ist allen klar: „De Sommer üss al hüüt!“ Es ist „Nordische Nacht“ im Museum für Landtechnik und Landarbeit in Börry und der Himmel über dem Ilsetal zeigt sich in den Landesfarben Schleswig Holsteins: strahlend blau, durchzogen von weißen Schäfchenwolken und einer glühend roten Sonnen bei ihrem Untergang. Den Himmel über ihrem Land, den die nordfriesische Band in ihrem Stück „Wind, Sand und Sterne“ so gern besingt, haben sie heute einmal verlassen. Walterberg, Ilseberg und Kleiner Berg heißen die Berge, die heute die Deiche ersetzen, hinter denen Godewind normalerweise sein plattdeutsches Liedgut vorträgt. „Gut, sehr gut sogar“, fühlen sich die Bandmitglieder im hiesigen Mittelgebirge. „Eigentlich so wie die Leute von hier, wenn sie bei uns an der Küste Urlaub machen“, ergänzt Sängerin Anja Bublitz. Gut fühlen sich auch die annähernd 600 Konzertbesucher bei der Open-Air-Premiere auf dem Museumsgelände. „Ein tolles Ambiente.“ „Echt schön hier zwischen den Gebäuden.“ – Lob ist schon zu hören, als Lokalmatador Gunnar Wiegand aus Esperde und die hannoversche Band „Walter, Sten & Ulli“ den musikalischen Abend inmitten der historischen Arbeitsgeräte und den Düften von nordischen kulinarischen Köstlichkeiten einläuten. Da wird aus einem Nackensteak mit Zwiebeln glatt ein „Deichläufer“, einige Hungrige probieren den „Speckendicken“, einen Pfannkuchen mit Mettwurst und Speck. Und wer noch nicht die „friesische Bohnensuppe“ kennt, wundert sich, nach der Bestellung ein mit Rosinen bestücktes alkoholisches Getränk in den Händen zu halten. Das friesische Nationalgetränk „Pharisäer“, von dem Godewind singt, ist da schon bekannter. „De geiht sofort in de Blootbahn“, erklärt Larry Evers in einem seiner lockeren Kommentare, natürlich auf „Plattdütsch“. Und die Godewind-Klänge gehen den Zuhörern offenbar nicht nur in die Ohren. Rhythmisch klatschende Hände, etliche wippende Füße und mitsingende Lippen, die Plattdeutschen Lieder kommen an in Emmerthal. „Der Winter ist weit“, „Danzen mit de Sommer“ oder „Mitternachtssonne“, die warme Jahreszeit wird oft besungen. Den größten Applaus gibt es allerdings bei den in plattdeutscher Mundart vorgetragenen Abba- und Beatles- Medleys. Dort heißt es dann „damp af“ statt „Get back“ und aus „Lady Madonna“ wird „Tante Johanna“. Wortspielereien, die nicht nur Larry Evers Spaß bringen. „Das Plattdeutsche gefällt uns sehr gut, gerade auch das nordische Platt“, erzählen Maj-Britt und Jens Meusel. Die beiden Aerzener sind Godewind-Fans und bei deren Konzerten in der Region dabei. Als gebürtige Hamburgerin hört Maj-Britt Meusel die Nordfriesen eigentlich schon immer gern. „Jetzt bin ich froh, dass sie hierher gekommen sind.“ Eine „Nordische Nacht“ passe unter so einem schönen Himmel immer, auch zwischen den umliegenden Bergen, aber die Sprache müsse halt Platt sein, ist die Meinung ihres Mannes Jens. Als beim Song „Folge deinem Traum“ eine Sternschnuppe am Himmel über Börry verglüht, mag manch einer den Wunsch geäußert haben, dass so ein tolles Event mit Godewind einmal wiederholt werden muss. Offen ist, ob Emmerthals Kulturbeauftragte Andrea Gerstenberger neben den nordischen Klängen diesen Wunsch gehört hat.
Erschienen in der Dewezet am 22.08.2011
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140 kleine Künstler kommen groß raus
Von Ernst August Wolf
Emmerthal. Der ansonsten beschauliche Park neben dem Haus Elise des Upmeier Seniorenheims platzte diesmal aus allen Nähten. 140 aufgeregte Kinder, nicht minder nervöse mit Fotoapparaten und Videokameras ausgerüstete Mütter und Väter samt Omis und Opis warteten sehnsüchtig auf das Startzeichen zum großen Open-Air-Musical „Alle Kinder dieser Erde“.
Die Idee stammt von der Kulturbeauftragten Andrea Gerstenberger. Statt „Kultur von oben“ habe sie etwas „Nachhaltiges“ schaffen wollen. „Mal kein eingekaufter Alleinunterhalter und Profi-Bespaßer, sondern Kultur von der Basis aus.“ Und so entstand eine musikalische Weltreise, an der alle DRK-Kitas und Bildungseinrichtungen in Trägerschaft der Gemeinde teilnahmen. 140 Kinder hatten seit dem 2. Februar ein halbes Jahr lang eine Stunde pro Woche zusätzlichen Musikunterricht bekommen. „Der Musikpädagoge Helmut Schrade hat mit den Kindern getanzt, gesungen und die musikalische Reise vorbereitet“, erklärt die Fachberaterin für die Emmerthaler DRK-Kindergärten, Liselotte Sievert.
Neben der Musik haben die Kinder dabei auch viel über die darzustellenden Länder erfahren. Sievert: „Sie haben sich mit Kleidung, Essen, Sitten und Gebräuchen beschäftigt.“ Für Kinder mit Migrationshintergrund sei das außerdem eine gute Möglichkeit gewesen, die Kultur ihrer Heimat vorzustellen. „Viele kommen aus Polen, Russland, aber auch den USA, der Türkei und Asien“, so Sievert.
Zu Beginn entführten die Kinder des Spielkreises Emmern die Zuschauer erst einmal nach Bayern und Österreich, die DRK-Kita Neue Straße aus Kirchohsen entfachte dann heiße afrikanische Rhythmen, und die Grundschule Amelgatzen stellte ihren „La Bamba“-Tanz vor. Nordamerika, Australien, Japan und Russland waren weitere Stationen, die die Kita- und Grundschulkinder vorbereitet hatten.
„Bei so viel Kindern sollte man meinen, dass wir uns um ausreichend Nachwuchs keine Gedanken zu machen brauchen“, so der Emmerthaler Bürgermeister Andreas Grossmann. Doch auch in seiner Gemeinde schlägt der demografische Wandel zu, hat die Zahl der Verstorbenen die der Geburten im vergangenen Jahr übertroffen. Für Landrat Rüdiger Butte war der Nachmittag nicht nur ein gelungenes Beispiel für Kultur- und Integrationsarbeit, sondern zeigte auch die Notwendigkeit einer Aufwertung des Berufsbildes der Erzieherinnen auf. Butte: „Was die hier zusätzlich leisten, ist enorm.“
Mit rhythmischer Begleitung gingen die Jungen und Mädchen auf musikalische Weltreise, auf die sie sich seit Februar vorbereitet hatten.
Erschienen in der Dewezet am 05.07.2011
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